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Verhaltenskodex und Gemeinsame Schutzerklärung

Potentielle Täter / Täterinnen im Bereich sexualisierter Gewalt bedienen sich bestimmter Strategien, um an ihre Opfer heranzukommen. Die häufigsten Strategien sind folgende:

  • Vertrauensaufbau zum Kind und seinem Umfeld durch Gefälligkeiten, Geschenke, Komplimente oder Hilfsangebote
  • Ausnutzung der eigenen (Macht-)Position
  • Herstellen uneindeutiger Situationen mit Körperkontakt und schleichende Sexualisierung der Beziehung
  • Isolieren von anderen
  • Bestechung und Geheimhaltungsgebot
  • Einschüchterung, Drohung und Schuldzuweisung

Kinder und Jugendliche sind uns anvertraut. Damit tragen wir eine große Verantwortung für ihr körperliches, geistiges und seelisches Wohl. Deshalb haben wir auch die Pflicht, sie vor jeder Form von Übergriffen, Missbrauch und Gewalt zu schützen. Klare und transparente Regeln für alle ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen helfen, allen Beteiligten Orientierung und Sicherheit vor Grenzverletzungen, sexuellen Übergriffen und sexuellem Missbrauch – und damit auch vor falschem Verdacht – zu geben.
Der Verhaltenskodex fasst die wichtigsten Regeln im Umgang mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Leitbild ist dabei eine Beziehung, die von positiver Zuwendung, Respekt und Transparenz geprägt ist.
Jeder und jede einzelne Mitarbeitende - hauptamtlich wie ehrenamtlich – verpflichtet sich, die Regeln des Verhaltenskodexes einzuhalten und sich entschieden für den Schutz der uns anvertrauten Menschen vor sexualisierter Gewalt einzusetzen. Dies wird durch die Unterzeichnung einer Gemeinsamen Schutzerklärung ausdrücklich bekräftigt. Diese „Gemeinsame Erklärung zum Schutz vor sexualisierte Gewalt“ ist Bestandteil der „Ordnung zur Prävention von sexualisierter Gewalt an Minderjährigen und erwachsenen Schutzbefohlenen im Bereich des Erzbistums Berlin (Präventionsordnung)“ vom 01.07.2014.

Verhaltenskodex der Pfarrgemeinde Herz-Jesu zur Prävention sexualisierter Gewalt

Geltungsbereich: 
Dieser Verhaltenskodex gilt in allen kirchlichen Räumen im Pfarrgebiet sowie auch außerhalb bei Ausflügen bzw. gemeinsamen Veranstaltungen.

In der pädagogischen und pastoralen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gehört ein klares Vertrauensverhältnis zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den ihnen anvertrauten jungen Menschen zu den wichtigsten Grundvoraussetzungen. Diese Beziehungen sollen von positiver Zuwendung, Respekt und Transparenz geprägt sein und schließen einen verantwortungsvollen Umgang mit Nähe und Distanz ein. Dabei werden individuelle Grenzen der Kinder und Jugendlichen geachtet. Es liegt in der Verantwortung der ehrenamtlichen und beruflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ein angemessenes Nähe-Distanz-Verhältnis herzustellen und regelmäßig zu reflektieren.
Daraus ergeben sich folgende Regeln:

  1. Achtsamer, respektvoller und gewaltfreier Umgang bilden die Grundlage unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Das bedeutet vor allem: Wir erachten Kinder und Jugendliche als gleichwertig und gleichwürdig wie Erwachsene. Wir erkennen die Rechte von Kindern und Jugendlichen an und nutzen den eigenen Machtvorsprung ihnen gegenüber nicht aus. Wir vertrauen auf die Aufrichtigkeit von Kindern und Jugendlichen.


  2. Berufliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verpflichten sich, den Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten zu eröffnen, Beschwerden zu äußern. Die Beschwerdewege müssen gegenüber dem Team sowie den Kindern und Jugendlichen und ihren Erziehungsberechtigten transparent und öffentlich sein. Wer eine Beschwerde äußert, hat Anrecht auf ernsthafte Beschäftigung damit und eine persönliche Rückmeldung.


  3. Berufliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verpflichten sich, Grenzverletzungen und sexuelle Übergriffe gegenüber und unter Minderjährigen im jeweiligen Leitungsteam zu thematisieren und entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen.


  4. Fahrten und Veranstaltungen über Nacht, an denen Jungen und Mädchen bzw. Jugendliche verschiedener Geschlechter teilnehmen, werden von einem gemischtgeschlechtlichen Team, von dem mindestens zwei Personen volljährig sein müssen, begleitet. Abweichende Regelungen für die Veranstaltung werden bereits im Anmeldebogen festgehalten. Die Kenntnisnahme muss von den Eltern durch ihre Unterschrift bestätigt werden.


  5. Aus Achtung vor der Privat- und Intimsphäre

    - werden Waschräume der Jungen nur von Leitern und Waschräume der Mädchen nur von Leiterinnen betreten; drohende Gefahr für Leib und Leben (z.B. Feuer, Erste Hilfe in lebensbedrohlichen Fällen) bildet - unbeschadet der Pflicht zur Transparenzmachung – eine Ausnahme.

    - duschen Kinder /Jugendliche und Leiterinnen / Leiter jeweils getrenntgeschlechtlich wird vor dem Betreten von Schlafräumen angeklopft und die Erlaubnis der Kinder bzw. Jugendlichen eingeholt; drohende Gefahr für Leib und Leben (z.B. Feuer, Erste Hilfe in lebensbedrohlichen Fällen) bildet - unbeschadet der Pflicht zur Transparenzmachung – eine Ausnahme.

    - wird kein ungewollter Körperkontakt hergestellt

    - werden keine Spiele eingesetzt, die die Intimsphäre verletzen

    - ist die gemischtgeschlechtliche und gemeinsame Unterbringung von Kindern und der Leitung den Erziehungsberechtigten vorab transparent zu machen. Räumliche Gegebenheiten oder ein begründetes pädagogisches Ziel bilden die Voraussetzung für eine gemeinsame Unterbringung.


  6.  Fahrdienste für einzelne Kinder und Jugendliche sind mit diesen und den Erziehungsberechtigten abzustimmen.


  7. Einzelgespräche zwischen einer Leitungsperson und einem Kind / Jugendlichen in geschlossenen Räumen finden nur statt, wenn sie pädagogisch geboten sind und andere Mitglieder im Leitungsteam vorab und unmittelbar danach darüber informiert werden.


  8. Zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und betreuten Kindern oder Jugendlichen findet keine Fortführung der professionellen/ ehrenamtlichen Beziehung im privaten Rahmen statt (z.B. private Treffen, Einladung in Privaträume, private Urlaube). Verwandtschaftsverhältnisse und bereits bestehende Privatbeziehungen/-kontakte zu betreuten Kindern oder Jugendlichen bzw. deren Familien sind gegenüber der Leitung/dem Team offenzulegen.


  9. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzen soziale Netzwerke und Medien (nur E-Mail/ SMS /Facebook) ausschließlich gruppenbezogen und mit Informationscharakter. Grundsätzlich ist eine weitere verantwortliche Person Mitglied der Gruppe (Vier-Augen-Prinzip).


  10. Alles, was berufliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sagen und tun, dürfen Kinder und Jugendliche weitererzählen. Es gibt darüber keine Geheimhaltung.


  11. Es wird respektiert, wenn jemand nicht fotografiert oder gefilmt werden möchte. Bei nicht öffentlichen Veranstaltungen dürfen Film- und Fotoaufnahmen von Kindern / Jugendlichen nur mit Einwilligung der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Erziehungsberechtigten gemacht und veröffentlicht werden. Bei öffentlichen Veranstaltungen bedarf das Herstellen und Veröffentlichen von Portraitaufnahmen einzelner Kinder / Jugendlicher der Zustimmung der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Erziehungsberechtigten.


  12. Jugendschutz- und Betäubungsmittelgesetz werden eingehalten (insbesondere Alkohol, Zigaretten, FSK bei Filmen, USK bei Videospielen und Unterhaltungssoftware, Verbot von Betäubungsmitteln und Drogen). 


  13. Bei Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche (z.B. RKW, KKT) konsumieren haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keinen Alkohol. Bei geselligen Veranstaltungen unter Beteiligung von Kindern / Jugendlichen und Erwachsenen sollte auf Alkohol verzichtet werden. Hochprozentiger Alkohol verbietet sich. Geraucht wird nur in den dafür vorgesehenen Bereichen. Berufliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen sich jederzeit ihrer Vorbildfunktion für Kinder / Jugendliche bewusst sein.


  14. Private Geldgeschäfte mit Kindern und Jugendlichen (z.B. Geld leihen, etwas verkaufen) sind ebenso wie Geschenke, die nicht in einem Zusammenhang mit der Arbeit stehen, grundsätzlich verboten.


  15. Beruflich und ehrenamtlich Beschäftigte achten auf eine respektvolle und wertschätzende Sprache und Wortwahl und beziehen aktiv Stellung gegen sexistisches, diskriminierendes, gewalttätiges, rassistisches, nationalistisches und homophobes verbales und nonverbales Verhalten.


  16. Im Alltag kann es zu einer Übertretung des Verhaltenskodexes aus Versehen oder aus einer Notwendigkeit heraus kommen. Zur Klärung und ggf. Aufarbeitung bedarf es der Transparenz. Verantwortlich dafür ist zunächst die Person, die eine Regel übertreten hat. Aber auch jede Person, die eine Übertretung des Verhaltenskodex bei jemand anderem wahrnimmt, ist verpflichtet zu handeln. Berufliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen eigene Übertretungen des Verhaltenskodexes und die von anderen Mitarbeitenden gegenüber dem jeweiligen Team oder der Ansprechperson für Prävention, dem Pfarrer oder dem Diakon transparent. Übertretungen werden im Dokumentationsbuch zentral dokumentiert. Das jeweilige Team oder die angesprochene Person klärt die Übertretung und entscheidet auf den Einzelfall bezogen über die Notwendigkeit einer weiteren Aufarbeitung. Grobe oder wiederholte Übertretungen können in Abstimmung mit dem PGR-Vorstand zu einem zeitweiligen oder dauerhaften Ausschluss von einer Tätigkeit für die Pfarrgemeinde führen.

Die Gemeinsame Schutzerklärung finden Sie hier als Download.


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